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Lehrbuch der Psychoanalytischen Therapie

Das Ulmer Lehrbuch
ein Lehrbeispiel für ein Spiel mit Worten

Das von Helmut Thomä und Horst Kächele verfasste zweibändige "Lehrbuch der psychoanalytischen Therapie" (1985, 1988) hat in wenigen Jahren große Teile der psychoanalytischen Welt erobert und in vielfältiger Weise die psychoanalytische Forschung angeregt. Die Bedeutung dieses Vorgangs kann kaum überschätzt werden, bedenkt man, in wieviele Richtungen sich die Psychoanalyse seit ihren Anfängen verzweigt hat. Fast jeder dieser Triebe brachte eigene Sprachblüten hervor. ...

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Das Ulmer Lehrbuch

ein Lehrbeispiel für ein Spiel mit Worten

Das von Helmut Thomä und Horst Kächele verfasste zweibändige "Lehrbuch der psychoanalytischen Therapie" (1985, 1988) hat in wenigen Jahren große Teile der psychoanalytischen Welt erobert und in vielfältiger Weise die psychoanalytische Forschung angeregt. Die Bedeutung dieses Vorgangs kann kaum überschätzt werden, bedenkt man, in wieviele Richtungen sich die Psychoanalyse seit ihren Anfängen verzweigt hat. Fast jeder dieser Triebe brachte eigene Sprachblüten hervor.

Nicht nur für gegenüber der Psychoanalyse aufgeschlossene Wissenschaftler aus anderen Disziplinen, sondern auch für Psychoanalytiker selbst ist es längst schwierig geworden, sich in diesem babylonischen Sprachgewirr zurechtzufinden. Um so dankbarer wurden die klare Sprache und die Orientierung, die das Lehrbuch gibt, aufgegriffen.

Von Anfang geplant erschien kurze Zeit später die englischsprachige Ausgabe (1987/1992). Inzwischen liegen ferner vor Ausgaben in Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch, Tschechisch, Polnisch, Rumänisch und sogar Armenisch; in der Bearbeitung sind Ausgaben in Litauisch, Kroatisch, Bulgarisch. Eine chinesische Ausgabe ist in Aussicht genommen. Damit ist das Lehrbuch, orientiert man sich an den Angaben über die Verbreitung dieser Sprachen in der "Cambridge Enzyklopädie der Sprache" (1993), schon jetzt für über eine Milliarde Menschen in ihrer Muttersprache zugänglich ist.

Die Arbeit des Psychoanalytikers hat viel mit übersetzen zu tun. Nicht nur das averbale Ausdrucksverhalten soll verstanden, in Sprache übersetzt werden. Auch das, was der Patient sagt, hat häufig noch einen zusätzlichen, verborgenen Sinn, den es zu entschlüsseln gilt. In Psychoanalysen wird ungeschminkt gesprochen. Neben der von Berufeneren schon ausgiebig diskutierten generellen Schwierigkeit, wissenschaftliche Texte zu übersetzen, stellte dies für die übersetzer des Lehrbuchs eine zusätzliche Herausforderung dar, galt es doch, bei der übertragung einzelner Worte auch deren jeweilige Assoziationsfelder mit zu berücksichtigen. In den Verbatimprotokollen aus Psychoanalysesitzungen finden sich Wörter aus dem Kinderzimmer, Gassenjargon, Dialekt, Kraftausdrücke usw., eben all das, was die Alltagssprache so lebendig macht. Diese Sprachelemente müssen nicht nur übersetzt, sie müssen übertragen werden.

Ulm, 6. Mai 2006

Im Namen der Mitarbeiter der Universitätsklinik Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Friedemann Pfäfflin


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